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Anniversary – 30 years of BACnet  Jubiläum – 30 Jahre BACnet


          Siehe Abb. 1.                                       Dort wurde unter der Leitung von Walter Houle für das IBM BACS, Vertriebs-
                                                              name GPAX-D (General Purpose Automation Executive – Distributive), basie-
          Als Unterstationen (Multiplexer) verwendeten wir Produkte der Fa. Hart-  rend auf den Erfahrungen in Deutschland das FACN Kommunikations-Proto-
          mann, Stuttgart. Im Jahr 1978 wurde die „schräge 7“, so der Nickname  koll entwickelt (Facilities Automation Communication Network).
          des Computers, abgekündigt und als Ersatz die „schräge 1“ (IBM Series/1)
          angekündigt. 1979 fragte mich IBM, ob ich nicht in der IBM die Projektlei-  Wie es zu Local Operating Network (LON) kam
          tung für die Entwicklung eines Leitsystems auf der S/1 übernehmen wolle.
          Also wurde ich IBMer. Das Projekt nannte ich BACS/1. Die Anforderun-  Der Chef der IBM Nachbarabteilung „Telefonsysteme“ (PSTN) in Atlanta war
          gen an die Software erstellte ich in enger Abstimmung mit den Usern. Zur  der ehem. ROLM-Gründer Kenneth (Ken) Oshman (9.7.1940 – 6.8.2011),
          adernsparenden (2-Draht) Übertragung für je 32 Ein-/Ausgänge wurden  mit dem ich oft in der Cafeteria über GA, FACN und Sensorik-Aktorik dis-
          19“ Sender-Empfänger mit USART der Fa. Rheinelektra, Mannheim, ein-  kutierte. Ken teilte mir 1996 per IBM PROFS (Professional Office System,
          gesetzt.                                            internes E-Mail-System) mit, dass er mit Mike Markkula von Apple wie-
                                                              der eine eigene Firma mit dem Namen Echelon in Palo Alto gründen wolle
          Siehe Abb. 2 und 3.                                 und dass wir in Kontakt bleiben sollten. 1998 wurde Echelon Inc. gegrün-
                                                              det. 1991 (ich war zu Siemens gewechselt) bat er mich bei HL (Halbleiter
          Kopplungen mit DDCs von verschiedenen Herstellern   – heute Infineon) nachzufragen, ob man Interesse an der Produktion des
                                                              Neuron-Chips mit LonTalk habe, das würde für ihn Produktion in der „Tri-
          1980 stellte ITT (ab 1981 JCI) die „Smart/Intelligent Miniterminals“ (SMT/  ade“ (Asien mit Toshiba, Amerika mit Motorola und Europa) bedeuten. Die
          IMT) vor. Für die Kommunikation mit diesen wurde ein serielles Kommu-  Siemens Antwort war: „nein – das wäre kontraproduktiv in Anbetracht der
          nikationsprotokoll für BACS/1 in Essen von Peter Fischer (später Prof. Dr.  EIB-Entwicklung“.
          Fischer) und anderen Software-Entwicklern entwickelt. In dieser Zeit kam
          Karl Leber (Fa. ISC / INNOVISION) mit David Fisher (American Automa-  Das FACN Protokoll wird etabliert
          trix) zur Akquisition zu mir in die IBM. Seitdem ist der Kontakt zu David
          (heute PolarSoft) und Karl nicht abgerissen. David Fisher wurde später  Zurück in Deutschland stellte ich das Protokoll FACN bei JCI, HW und L&G
          sehr aktiv in der ASHRAE bei der BACnet-Erarbeitung und ist noch heute  vor. Alle sagten zu, das FACN für ihre Systeme zu entwickeln. Zum Konzept
          im BACnet-L Blog fleißig am Beantworten der Fragen. Karl Leber war in  gehörte, dass ein PC über den DDCs als Gateway, genannt „Remote Intel-
          der BIG-EU am Anfang zuständig für das Messekonzept.   ligent Subsystem“ (RIS), eingesetzt wird. JCI hatte die Lösung schnell fer-
                                                              tig. Für Honeywell stellte ich meinen privaten IBM-Jahres-PC der HW-NL
          Das erste IBM-PC-BACS                               Stuttgart für Tests zur Verfügung. Für L&G entwickelte Prof. Dr. Bernd Güs-
                                                              mann auf der „Realtime Interface Coprozessor“ (RIC) Karte für den IBM XT
          1982 bekam Ulrich Drechsler, DL-Technik Berlin, von mir den Auftrag, für  das FACN Protokoll zum SDLC-Ring von L&G.
          den IBM-PC eine Leittechnik-Software auf UNIX-Basis (QNX) zu entwi-
          ckeln. Er hatte vorher schon ein Energiemanagement-System auf dem  Auf der ISH 1985 erfolgte die erste öffentliche Vorstellung des FACN Pro-
          Commodore PET erstellt. Der Einsatz des PC-BACS erfolgte in allen 5  tokolls mit Postern bei JCI, HW, L&G sowie bei LTG. Dort überzeugte mich
          IBM-Werken in Deutschland. Drechsler vertrieb das System als DL-Tech-  Dr. Jürgen Masuch (gest. 8.1.2023) davon, in der Normung für „MSR“ mit-
          nik „LEICOM“ (Leit-Computer). 1996 verkaufte Ulrich Drechsler die Lizenz  zuarbeiten – es wurde die DIN 32734 „Digitale Automation für die Tech-
          an Kieback & Peter.                                 nische Gebäudeausrüstung“, die dann 2006 in die DIN EN ISO 16484-1
                                                              und -2 aufging.
          1983 stellt Honeywell seine „Excel DDC“ Automation vor, für die ich wiede-
          rum eine Daten-Kopplung zu BACS/1 beauftragte. Der Entwickler des Pro-  Siehe Abb. 5.
          tokolls auf der Honeywell-Seite war wieder Peter Fischer. Für die Entwick-
          lung bzw. den Test stellten wir eine IBM Series/1 bei Honeywell in Maintal  Der deutsche Weg mit FND
          für das Team von Ulrich Möhl (gest. 2023) zur Verfügung.
                                                              Im gleichen Jahr 1985 stellte ich gemeinsam mit Ulrich Drechsler beim VDI
          Das erste standardisierte Datenprotokoll für die Gebäudeauto-  in Stuttgart das FACN-Protokoll vor und Ulrich Drechsler auch sein PC-LEI-
          mation                                              COM. Anwesend war Heribert Baumann (gest. 16.5.2021) von der Ober-
                                                              finanzdirektion Stuttgart (OFD), der mich anschließend zu einer „Audienz“
          Im März 1983 bekam ich von der IBM Werkleitung den Auftrag, meine  in sein Büro bat. Das war der Anlass für die Entwicklung des „Schwaben-
          BACS-Lösung und die Kommunikation mit JCI und HW bei einem „Global  bus“, offiziell genannt „Firmenneutrales Datenübertragungssystem“ (FND
          IBM Facilities Site Manager Review Meeting“ (FSMR) in Böblingen vorzu-  87), weil es 1987 fertig sein sollte.
          stellen. Der oberste IBM-Liegenschaftler Mr. Armstrong von der Zentrale
          in Armonk, N.Y. meinte, das sei wirklich gut, aber er könne sich nicht vor-  Ende 1987 wurde der AMEV-Entwurf von FND veröffentlicht und das Pilot-
          stellen, dass eine dedizierte Kommunikation zu allen ca. 25 „DDC-Ven-  projekt Universität Ulm mit JCI und L&G gestartet. (AMEV = Arbeitsge-
          dors“ weltweit noch zu pflegen wäre. So entschied Mr. Armstrong, dass ich  meinschaft Maschinen- und Elektrotechnik der öffentlichen Verwaltungen).
          dafür verantwortlich sei, dass IBM für sein BACS „ein Datenprotokoll“ für  Viele Experten der GA-Branche arbeiteten erst in der AMEV und dann in
          alle DDC-Lieferanten hat. 1984 wurde ich zu einem Team bei IBM Atlanta  der Normung für die DIN V 32735-2:1991-01, die von CEN als DIN V ENV
          abgeordnet.                                         1805-2:1995-09 übernommen wurde –als Vornorm, weil es gleichartige
                                                              Projekte bereits bei CEN gab.
          Siehe Abb. 4.




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